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AV2: YouTube plant für 2027 den 30-Prozent-Sprung
Nach AV1 steht mit AV2 die nächste Generation der Videokompression bereit. YouTube plant schon für Anfang 2027 erste Streams mit dem neuen Codec. Auch für Cloud-Gaming könnte das Verfahren interessant werden. Jedoch fehlt Grafikkarten derzeit noch die geeignete Hardware zur Decodierung.
Die Alliance for Open Media (AOMedia) hat kürzlich über Fortschritte bei der Einführung ihres neuen Videocodecs berichtet. AV2 wurde im Frühjahr 2026 genormt und soll bei ähnlicher Bildqualität mit weniger Daten auskommen als AV1. Die Allianz veranschlagt die höhere Kompressionseffizienz auf ungefähr 30 Prozent. Streamingdienste können damit die erforderliche Bitrate senken oder bei unveränderter Bitrate eine höhere Bildqualität erreichen.
YouTube nennt nun einen ersten Zeitrahmen für den Praxiseinsatz: Bereits Anfang 2027 könnten AV2-Streams im Web verfügbar sein. Welche Videos und Browser dann unterstützt werden, ist noch nicht bekannt. Google hat die Wiedergabe in Chrome bereits vorgeführt. Netflix und Prime Video testen das Format ebenfalls. Wie weit der Vorgänger mittlerweile verbreitet ist, veranschaulicht eine Zahl von YouTube: Am 19. März 2026 waren mehr als 90 Prozent des Videokatalogs, gewichtet nach Wiedergabezeit, in AV1 verfügbar.
Ein weiteres mögliches Anwendungsfeld ist Cloud-Gaming, etwa bei GeForce NOW. Anders als bei YouTube lassen sich die Bilder eines Spiels jedoch nicht im Voraus komprimieren. Jedes Einzelbild muss sofort nach dem Rendern verarbeitet und gesendet werden. Ob AV2 auch unter diesen Umständen Vorteile gegenüber AV1 bietet, hängt deshalb wesentlich von der Geschwindigkeit der Echtzeit-Encoder ab. Eine komplexere Kompression darf letztlich nicht zu einer höheren Latenz führen.
Für AV2-Videos ist nicht unbedingt neue Hardware nötig. Eine CPU kann den komprimierten Videostream mit einem passenden Softwaredecoder verarbeiten, falls ihre Leistung ausreicht. VideoLAN entwickelt dafür bereits dav2d, den Nachfolger des verbreiteten AV1-Decoders dav1d.
Bei Grafikkarten übernehmen in der Regel spezialisierte Hardwareeinheiten die Videodecodierung, etwa Nvidias NVDEC. Solche Schaltungen arbeiten besonders stromsparend, sind aber für bestimmte Formate ausgelegt. Ein AV1-Decoder versteht daher nicht automatisch AV2. Ein normales Treiberupdate kann die fehlenden Schaltungen nicht nachrüsten. Auch die Shader-Einheiten einer GPU (CUDA-Cores bei Nvidia, Stream-Prozessoren bei AMD beziehungsweise Xe-Recheneinheiten bei Intel) könnten grundsätzlich AV2 decodieren, bräuchten dafür aber extra entwickelte Software.
Aktuelle Consumer-Grafikkarten bieten noch keine eigene AV2-Decodierung. Wird stattdessen die CPU beansprucht, kostet das vor allem bei hochauflösenden Videos zusätzliche Rechenleistung und möglicherweise Akkulaufzeit. VideoLAN-Mitgründer Jean-Baptiste Kempf beziffert die Decodierkomplexität von AV2 gegenüber AV1 auf etwa das Fünffache. Dementsprechend wichtig sind effiziente Softwaredecoder, solange passende Hardware fehlt.
VLC media player ist ein Audio- und Video-Player, der praktisch jedes Dateiformat wiedergeben kann.