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Unterirdische CO₂-Speicherung hat sich seit 2016 mehr als verdoppelt
CO₂ im Untergrund: Weltweit haben Betreiber 2024 laut einer neuen Bestandsaufnahme 43,6 Millionen Tonnen Kohlendioxid geologisch eingelagert, so viel wie in keinem zuvor erfassten Jahr. Doch die neue Bilanz enthält auch eine Warnung: Bei vielen Ölförderprojekten ist unklar, ob mehrfach eingespritztes CO₂ zuverlässig herausgerechnet wurde.
London (England). Kohlendioxid kann nach seiner Abscheidung aus Industrieabgasen oder anderen Quellen in tiefe Gesteinsschichten gepresst werden. Dort soll es langfristig eingeschlossen bleiben und so nicht in die Atmosphäre gelangen. Die geologische Speicherung gilt als Ergänzung zur Vermeidung von Treibhausgasemissionen, doch ihre tatsächliche Größenordnung ließ sich bisher nur schwer weltweit vergleichen.
Das Problem: Betreiber und Behörden veröffentlichen Speichermengen in unterschiedlichen Zeiträumen und nach verschiedenen Rechenregeln. Für einen globalen Überblick genügt es daher nicht, die gemeldeten Einspeisemengen einfach zu addieren. Vor allem bei Ölfeldern wird ein Teil des eingebrachten Kohlendioxids mit dem Öl wieder an die Oberfläche gefördert und später erneut verpresst.
Forscher des Imperial College London (ICL) um Professor Samuel Krevor haben deshalb das London Register of Subsurface CO₂ Storage aktualisiert. Es bündelt Betreiberangaben und öffentliche Datenquellen, ordnet sie einzelnen Projekten zu und dokumentiert die Bilanzierungsgrundlagen. Die aktuelle Ausgabe führt 70 Vorhaben in 17 Ländern auf sechs Kontinenten auf.
Für 2024, das jüngste vollständig erfasste Berichtsjahr, weist das Register 43,6 Millionen Tonnen CO₂ aus. Im Jahr 2016 waren es 21,0 Millionen Tonnen. Der neue Wert liegt damit mehr als doppelt so hoch wie acht Jahre zuvor. Für 2023 nennt die aktualisierte Rechnung 41,7 Millionen Tonnen und liegt damit unter dem Wert von 2024.
Den größten Beitrag nach Ländern steuern die USA bei: 23 erfasste Projekte meldeten zusammen 20,2 Millionen Tonnen. Das weltweit größte Einzelprojekt liegt im brasilianischen Santos-Becken, wo Petrobras 14,2 Millionen Tonnen verbuchte. In China und Australien kamen jeweils 1,7 Millionen Tonnen hinzu.
„Die Beständigkeit dieser Anlagen und die Tatsache, dass weitere Länder und Projekte in das Register aufgenommen werden, zeigen, dass die geologische Speicherung eine in großem Maßstab erprobte Technik zur Verringerung von Emissionen ist“, erklärt Professor Samuel Krevor.
Zugleich belegt die neue Ausgabe, wie stark diese Statistik von der Qualität der Meldungen abhängt. Die kumulierte Menge bis Ende 2023 wurde von 351,4 auf 342,0 Millionen Tonnen gesenkt. Auch die Zahl für 2023 allein sank nachträglich von 45,2 auf 41,7 Millionen Tonnen. Gründe sind Korrekturen bei doppelt gezählten Projekt- und Unternehmensangaben, berichtigte Meldedaten zum norwegischen Sleipner-Projekt und eine andere Bilanzierung von wiederverwendetem CO₂ in den USA.
„Diese Korrekturen spiegeln die neuesten Erkenntnisse wider, und wir haben im Bericht ausdrücklich dargelegt, wo die Bilanzierung der gemeldeten Speichermengen weiterhin unsicher ist. Diese Transparenz ist wichtig, wenn die geologische CO₂-Speicherung das Vertrauen von politischen Entscheidungsträgern und Investoren gewinnen soll“, erklärt Dr. Xiaowei Gao vom Imperial College London.
Zum Datenstand der Jahresausgabe summiert das Register seit 1996 insgesamt 421,7 Millionen Tonnen. Darin sind jedoch bereits Meldungen für 2025 enthalten, die noch unvollständig sind. Bislang haben 29 Projekte aus zwölf Ländern dafür 36,2 Millionen Tonnen gemeldet. Mit der Zahl für 2024 ist dieser Zwischenstand daher nicht direkt vergleichbar.