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Kriminelle hinterlassen unsichtbare DNA-Spuren in der Raumluft
Unsichtbare Spur: Bei simulierten Einbrüchen haben Forscher Erbgut der Eindringlinge selbst aus der Raumluft gewonnen. In 13 von 22 untersuchten Wohnungen gelang der Nachweis eine halbe Stunde nach dem Verlassen. Doch die Trefferquoten unterschieden sich zwischen den beiden Versuchsgruppen erheblich. Noch ist unklar, wie zuverlässig das Verfahren an echten Tatorten wäre.
Adelaide (Australien). Wer in eine fremde Wohnung eindringt, hinterlässt möglicherweise Spuren, ohne etwas sichtbar zu berühren. Hautschuppen, winzige Tröpfchen und andere Partikel mit menschlicher DNA gelangen fortwährend in die Umgebung. Ein Teil davon kann in der Raumluft schweben und mit Filtern eingesammelt werden.
Für die Kriminaltechnik ist dieses sogenannte Umwelt-Erbgut, kurz Umwelt-DNA oder eDNA, interessant. An einem Tatort sind Fingerabdrücke und DNA auf Gegenständen nicht immer vorhanden oder eindeutig zuzuordnen. Doch könnte die Luft auch verraten, wer sich nur kurz in einem Zimmer aufgehalten hat?
Forscher des Oslo University Hospital (OUS) um Dr. Chiara Fantinato haben diese Frage nun unter möglichst alltagsnahen, aber kontrollierten Bedingungen untersucht. Dafür stellten Freiwillige ihre Wohnungen für nachgespielte Einbrüche zur Verfügung. Entscheidend war, ob sich das Erbgut eines kurzzeitigen Besuchers später von den Spuren der Bewohner unterscheiden ließ.
Insgesamt beteiligten sich 22 Haushalte, jeweils elf im Raum Oslo und im australischen Adelaide. Zunächst nahmen die Wissenschaftler Vergleichsproben unter normalen Wohnbedingungen. Danach betrat jeweils eine fremde Person die Wohnung und durchsuchte für 15 Minuten die Küche, als würde sie einen Einbruch begehen.
Die Eindringlinge trugen dabei weder Handschuhe noch Masken. Erst 30 Minuten nach ihrem Weggang begann die Untersuchung der belasteten Raumluft. Zusammen mit Staub- und Oberflächenproben sammelten die beiden Laborteams insgesamt 391 Proben, deren DNA-Profile sie mit denen von Bewohnern und Eindringlingen verglichen.
Das Ergebnis: In Oslo ließ sich die DNA der vermeintlichen Einbrecher in neun von elf Wohnungen in der Küchenluft nachweisen, entsprechend 82 Prozent. In Adelaide gelang dies in vier von elf Fällen, also 36 Prozent. Insgesamt erfassten die Luftproben damit 13 der 22 Eindringlinge.
Die Luft enthielt allerdings keineswegs nur das Erbgut der gerade eingedrungenen Person. Vor den simulierten Einbrüchen fanden sich darin vor allem Spuren der regulären Bewohner. Danach waren die DNA-Profile häufig gemischt, weil sich ältere und neu hinzugekommene Partikel in der Raumluft überlagern können.
Hinweise auf den Eindringling ließen sich deshalb nicht einfach an einer einzelnen DNA-Spur ablesen. Die Forscher mussten die gewonnenen Profile mit den bekannten Vergleichsproben abgleichen. Staub und berührte Oberflächen lieferten ergänzende Informationen darüber, wer sich früher oder regelmäßig in der Wohnung aufgehalten hatte.
Dass selbst eine Reinigung nicht zwangsläufig alle biologischen Hinweise beseitigt, hängt auch mit der Verteilung kleinster Partikel zusammen. Die Umwelt-DNA kann nicht nur auf Möbeln, sondern ebenfalls in Staub und schwebenden Teilchen zurückbleiben.