// TAGESSCHAU AUSLAND — MONDO
Wahl in Israel: Keine klare Mehrheit, stattdessen Hoffnungen und Frust
Nach der Parlamentswahl droht Israel eine Hängepartie: Keines der Lager hat eine klare Mehrheit. Premier Netanjahu gibt sich kämpferisch. Seine Gegner sind enttäuscht - hoffen aber weiter auf Veränderungen.
Für die einen fühlt es sich an wie ein Triumph, für die anderen wie ein böses Erwachen. Fest steht heute nur: Die Worte, die in der Nacht den Sieg über die Regierung Netanjahu verkündeten, haben nur eine kurze Halbwertszeit. Zum Beispiel das, was Gadi Eisenkot sagte, der frühere israelische Generalstabschef, der angetreten war, um Netanjahu abzulösen: "Die israelische Öffentlichkeit hat sich dagegen ausgesprochen, dass Benjamin Netanjahu weiterhin als Premierminister amtiert."
Nach einer Abstimmung mit einer derart hohen Wahlbeteiligung wäre es laut Eisenkot ein Fehler, erneut Wahlen abzuhalten. "Es ist unsere Pflicht - meine ganz persönliche Pflicht -, alles in unserer Macht Stehende zu tun, um den Willen des Volkes umzusetzen."
Liveblog
28.10.2026
Alle Entwicklungen zur Israel-Wahl im Liveblog.
mehr
Doch, was ist der Wille des Volkes? Es stimmt zwar, den letzten Hochrechnungen zufolge hat Netanjahus Koalition mit rechtsextremen und ultrareligiösen Partnern, keine Regierungsmehrheit mehr. Aber Eisenkot und sein Bündnis sind davon noch weiter entfernt.
So kam es in der Nacht auch zu einem der seltenen Momente, in dem man Netanjahu auf offener Bühne singen hörte. "Hab keine Angst, Israel, denn Du bist wie ein Löwe", stimmte der Mann an, der Israel über 19 Jahre regiert hat, und nun zumindest eine Chance hat, weiter an der Macht zu bleiben. Zuvor sagte er: "Wir haben uns gegen unsere Feinde durchgesetzt - und gemeinsam werden wir uns auch in Zukunft gegen sie durchsetzen."
Unklar bleibt, wen er damit meinte. Den von ihm auch im Wahlkampf immer wieder heraufbeschworenen Erzfeind Iran, der Israel laut Netanjahu auslöschen will, oder den inneren Feind in Gestalt arabisch-palästinensischer Israelis, gegen die Netanjahu und seine Partner im Wahlkampf gehetzt hatten und die immerhin mehr als 21 Prozent der israelischen Bevölkerung stellen.
Israel hat gewählt - doch wer das Land künftig regiert, ist unklar.
mehr
Nachdem es in der Nacht noch so ausgesehen hatte, als lägen die beiden großen Blöcke in etwa gleich auf, hat Netanjahu inzwischen in den Hochrechnungen einen deutlichen Vorsprung. Für die, die auf ein Ende der seiner Regierung gehofft hatten, bedeutet das Enttäuschung.