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Wärme aus dem Indischen Ozean verstärkte den Eisverlust in der Arktis
Der winterliche Meereisrückgang in der Arktis erreichte Anfang 2025 neue Tiefstwerte. Eine Analyse legt nahe, dass neben einer schwachen La Niña auch ungewöhnlich warmes Wasser im südlichen Indischen Ozean dazu beitrug. Beide Einflüsse verstärkten über weiträumige Luftströmungen ein ungewöhnliches Hochdruckmuster über dem Ochotskischen Meer und begünstigten dort den Eisverlust.
Hongkong (China). Das arktische Meereis schrumpft seit Jahrzehnten, doch Anfang 2025 erreichte seine Ausdehnung besonders niedrige Werte. Im Februar waren durchschnittlich 13,75 Millionen Quadratkilometer von Meereis bedeckt, im März 14,14 Millionen Quadratkilometer. Für beide Monate waren dies die niedrigsten Werte seit Beginn der Satellitenmessungen im Jahr 1979.
Der langfristige Rückgang hängt wesentlich mit der menschengemachten Klimaerwärmung zusammen. Die ungewöhnlich geringe Eisfläche im Winter 2024/2025 lässt sich allein mit diesem Trend allerdings nicht erklären. Zudem war La Niña, die kühlere Phase der tropischen Pazifiktemperaturen, damals nur schwach ausgeprägt, obwohl sie die atmosphärische Zirkulation bis in hohe Breiten beeinflussen kann.
Forscher der Hong Kong University of Science and Technology (HKUST) um Prof. Hui Su haben deshalb Meereisdaten, Meeresoberflächentemperaturen und atmosphärische Mess- und Reanalysedaten aus den Jahren 1979 bis 2025 ausgewertet. Sie trennten die langfristige Abnahme der Eisausdehnung von den kurzfristigen Schwankungen und untersuchten, welche großräumigen Wetter- und Meeresmuster mit dem außergewöhnlichen Winter zusammenhingen.
Neben der schwachen Abkühlung im zentralen und östlichen tropischen Pazifik zeigte sich eine ausgeprägte Warmwasseranomalie im südlichen Indischen Ozean. Sie lag vor allem zwischen 20 und 40 Grad südlicher Breite sowie 40 und 80 Grad östlicher Länge. Beide Temperatursignale schwankten im Untersuchungszeitraum weitgehend unabhängig voneinander, wie ihre geringe statistische Korrelation von 0,09 zeigt.
Besonders stark wich die Eisbedeckung Anfang 2025 am pazifischen Rand der Arktis von den üblichen Verhältnissen ab. Vor allem das Ochotskische Meer und die Region der Beringstraße waren betroffen, wo atmosphärische Druck- und Temperaturmuster das winterliche Eiswachstum maßgeblich beeinflussen.
La Niña verändert die Walker-Zirkulation, eine großräumige Luftbewegung in Ost-West-Richtung über den Tropen. Das ungewöhnlich warme Wasser im südlichen Indischen Ozean beeinflusst dagegen die Hadley-Zirkulation, die Luft zwischen den Tropen und höheren Breiten austauscht. Beide Prozesse begünstigten über dem tropischen Indischen Ozean absinkende Luft und eine Konvergenz der Strömung in großen Höhen.
Von dort breitete sich der Analyse zufolge eine Rossby-Welle aus, also eine großräumige Störung der atmosphärischen Strömung. Sie verlief über Südchina und Japan nach Nordosten bis zum Ochotskischen Meer und verstärkte dort eine Hochdruckanomalie. Die damit verbundenen wärmeren Luftmassen begünstigten eine geringere Meereisbedeckung.
Um die Rolle des Indischen Ozeans gesondert zu untersuchen, simulierte das Team dessen Erwärmung in einem vereinfachten Atmosphärenmodell. Das Modell erzeugte ebenfalls Veränderungen der Hadley-Zirkulation, eine nach Nordosten laufende Wellenstörung und ein Hochdruckmuster über dem Ochotskischen Meer. Damit stützt es den vorgeschlagenen Mechanismus, ohne sämtliche Wechselwirkungen der realen Atmosphäre abzubilden.
Traten die pazifische Abkühlung und die indische Warmwasseranomalie gleichzeitig auf, fiel die atmosphärische Hochdruckanomalie stärker aus als bei jedem Einfluss für sich. Entsprechend zeigten die untersuchten Jahre in diesem Fall einen ausgeprägteren Rückgang des Meereises in den betroffenen Regionen. Die Signale aus den beiden Ozeanen scheinen sich in ihrer Fernwirkung gegenseitig zu verstärken.