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Windows 11: Neue WinUI-Steuerelemente bringen wichtige Funktionen
Microsoft schließt mit neuen nativen Komponenten mehrere langjährige Lücken in WinUI. Datentabellen, Diagramme und erweiterte Stifteingaben sollen die Abhängigkeit von Drittanbietern und Webtechnologien reduzieren. Noch sind die Funktionen experimentell, zugleich geht Microsoft Speicherprobleme des Frameworks an.
Mit Windows App SDK 2.5.4 Experimental erweitert Microsoft WinUI um mehrere Funktionen, die dem Framework seit Jahren fehlen. TableView und Chart bringen erstmals native Steuerelemente für umfangreiche Datentabellen und Diagramme mit, zugleich baut Microsoft die Unterstützung für Stifteingaben aus. Für derartige grundlegende Komponenten waren Entwickler bislang auf Drittanbieter, Community-Projekte oder eigene Lösungen angewiesen. Dass WinUI an dieser Stelle zahlreiche wichtige Funktionen vermissen lässt, hatte Microsoft auf der Build 2026 selbst eingeräumt.
Für die Darstellung und Bearbeitung größerer Datenbestände hat Microsoft nun TableView eingeführt. Das Steuerelement beherrscht Sortierung, Filterung und Gruppierung, bietet verschiedene Zeilendichten und unterstützt skalier- sowie fixierbare Spalten. Über Template-Spalten lassen sich komplexere Inhalte wie Statusanzeigen oder Fortschrittsbalken einbinden; außerdem sind eine Validierung bei der Bearbeitung und virtualisierte Zeilen vorgesehen. Als Beispiel zeigt Microsoft 5.000 Geschäftsvorgänge verteilt auf elf Spalten. Einen vollständigen Ersatz für DataGrid stellt TableView derzeit jedoch nicht dar: Die Auswahl ist auf eine einzelne Zeile beschränkt, sortiert werden kann nur nach einer Spalte und die Gruppierung funktioniert lediglich auf einer Ebene. Auch eine nachträgliche Anordnung der Spalten ist noch nicht möglich. Hierarchische Ansichten und anwendungsspezifische Kontextmenüs sollen zu einem späteren Zeitpunkt hinzukommen.
Mit Chart erhält WinUI erstmals eine eigene native Komponente für gängige Diagrammtypen. Zum Funktionsumfang zählen Linien-, Flächen- und Balkendiagramme sowie verschiedene Achsentypen, Legenden, Datenbeschriftungen und Markierungen. Mehrere Datenreihen können dieselben Achsen nutzen und sich dynamisch aktualisieren lassen. Die Berechnung der zugrunde liegenden Werte übernimmt Chart bislang allerdings nicht. Aus der Entwicklerschaft kommt darüber hinaus Kritik an weiteren Lücken: Vermisst werden unter anderem Kreisdiagramme, Funktionen zum Zoomen und Schwenken sowie eine Umsetzung des Fluent Designs.
Ausprobieren lassen sich die weiterhin als experimentell eingestuften Komponenten bereits über WinUI Gallery 3.0. Microsoft möchte auf diese Weise frühzeitig Beispiele zur Verfügung stellen und Rückmeldungen sammeln, solange Änderungen an den APIs noch möglich sind. Für den Einsatz in produktiven Anwendungen sind die neuen Steuerelemente ausdrücklich noch nicht vorgesehen.
Mit den neuen nativen Komponenten könnte WinUI gegenüber Electron und WebView2 an Attraktivität gewinnen. Webbasierte Anwendungen vereinfachen zwar die plattformübergreifende Entwicklung, zusätzliche Browser-Prozesse können jedoch einen erheblichen Speicherbedarf verursachen. Automatisch Ressourcen-schonend arbeitet allerdings auch WinUI nicht. Windows App SDK 2.5.4 korrigiert deshalb unter anderem Fehler, wodurch der Speicherverbrauch von WinUI-Anwendungen mit der Zeit anwachsen konnte. Ob die Erweiterungen tatsächlich mehr native Windows-Anwendungen hervorbringen, dürfte auch davon abhängen, wie schnell sie den Experimentalstatus verlassen und welche der weiterhin vorhandenen Lücken Microsoft noch schließt.