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US-Armee möchte Soldaten mit Karbonfaserwolke vor Radar, Infrarot und Nachtsicht tarnen
Gewöhnlicher Tarnnebel kann den Blick auf Fahrzeuge versperren, moderne Radargeräte aber oft nicht. Eine neue Wolke aus beschichteten Karbonfasern hat bei einem Feldversuch die Radarsignaturen mehrerer Testziele abgeschwächt. Die Technik könnte militärische Ziele schwerer ortbar machen, doch für einen Schutz gegen Infrarot- und Nachtsichtsysteme fehlen bislang entsprechende Versuchsergebnisse.
Aberdeen Proving Ground (U.S.A.). Auf dem Gefechtsfeld entscheidet nicht nur, ob ein Fahrzeug mit bloßem Auge sichtbar ist. Auch Radarsensoren können Ziele erfassen, wenn Rauch, Nebel oder Dunkelheit die direkte Sicht behindern. Klassischer Tarnrauch schützt daher nicht automatisch vor technischen Ortungssystemen.
Besonders Millimeterwellenradar nutzt elektromagnetische Wellen, die viele herkömmliche Rauchwolken durchdringen. Eine neue Tarntechnik soll diese Lücke schließen, indem sie eine Wolke aus beschichteten Fasern in den Weg der Radarstrahlung bringt. Damit steht nicht völlige Unsichtbarkeit, sondern die erschwerte Erkennung von Zielen im Mittelpunkt.
Das U.S. Army Combat Capabilities Development Command Chemical Biological Center (DEVCOM CBC) hat dafür das tragbare Millimeter Wave Screening Obscuration Module (SOM) entwickelt. Bei einer Vorführung unter freiem Himmel im August 2026 setzte das Gerät Tausende beschichtete Karbonfasern frei, insgesamt nach Angaben der Armee rund 13,6 Kilogramm.
Mehrere Testziele wurden während der Ausbreitung der Wolke mit Radar beobachtet. Nach Angaben des beteiligten Ingenieurs Michael Smith nahm die Radarsignatur der Ziele mit zunehmender Wolkenbildung ab. Die US-Armee spricht von einer technischen Validierung, veröffentlicht aber keine Messkurven oder Zahlen zur Stärke dieser Signalabschwächung.
Bei welchen Radarfrequenzen, Abständen und Wetterbedingungen die beobachtete Wirkung erzielt wurde, lässt sich aus den veröffentlichten Angaben nicht nachvollziehen. Auch eine reproduzierbare Tarnwirkung unter unterschiedlichen Einsatzbedingungen ist damit noch nicht nachgewiesen.
Herkömmlicher Tarnrauch kann sichtbares Licht und bestimmte Bereiche der Infrarotstrahlung abschwächen, weil seine Partikel diese Strahlung beeinflussen. Millimeterwellen können dagegen viele klassische Nebelwände weitgehend durchdringen und Ziele dahinter für Radar erkennbar halten. Die beschichteten Karbonfasern sollen gerade diese Lücke im Schutz vor Sensoren verkleinern.
Ob der neue Fasernebel auch andere Arten von Sensoren wirksam stört, folgt aus den Radarbeobachtungen allein nicht. Sichtbares Licht, Wärmebildstrahlung und Millimeterwellen liegen in unterschiedlichen Wellenlängenbereichen und erfordern jeweils eigene Nachweise der Tarnwirkung.
Das erprobte Radarmodul gehört zu einer größeren, mehrstufigen Entwicklungsstrategie. Ein offizielles Haushaltsdokument unterscheidet Module zur visuellen Tarnung, für zwei Spektralbereiche und für eine multispektrale Abschirmung. Die letzte Stufe soll schließlich sichtbares Licht, Infrarot und Millimeterwellen gemeinsam abdecken.
Für das Haushaltsjahr 2027 sieht die Planung die Entwicklung und Erprobung weiterer Prototypen sowie Maßnahmen zur Verringerung technischer Risiken vor. Das ist kein Nachweis, dass die im August getestete Karbonfaserwolke bereits gegen Wärmebildkameras oder Nachtsichtgeräte schützt. Eine kombinierte Wirkung gegen mehrere Sensortypen bleibt vielmehr ein Entwicklungsziel.