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Traditionelles chinesisches Arzneimittel tötet medikamentenresistente Krebszellen
Wird Speiseröhrenkrebs gegen das Chemotherapeutikum Cisplatin resistent, erschwert das seine Behandlung erheblich. Eine traditionelle chinesische Arzneimischung hemmt in Zellversuchen das Wachstum solcher Krebszellen und fördert einen eisenabhängigen Zelltod. Bei Mäusen verstärkte die Mischung zudem die Wirkung einer Immuntherapie, doch ihr Nutzen und ihre Sicherheit beim Menschen sind noch nicht untersucht.
Shaoxing (China). Das Plattenepithelkarzinom ist eine häufige Form des Speiseröhrenkrebses und gilt besonders in fortgeschrittenen Stadien als schwer behandelbar. Eine wichtige Schwierigkeit ist, dass Tumorzellen gegenüber dem Chemotherapeutikum Cisplatin unempfindlich werden können.
Eine mögliche Schwachstelle dieser Zellen ist die Ferroptose, ein eisenabhängiger Zelltod, der durch oxidative Schäden an Zellmembranen ausgelöst wird. Antioxidative Schutzsysteme können solche Kettenreaktionen normalerweise abfangen, weshalb ihr gezieltes Ausschalten als Ansatz gegen resistente Tumoren erforscht wird.
Forscher der Shaoxing University um Zhupeng Li haben die traditionelle chinesische Rezeptur Huayu Wan an Krebszelllinien der Speiseröhre untersucht. Die Mischung enthält 15 Bestandteile aus zwei überlieferten Zubereitungen, darunter pflanzliche und tierische Rohstoffe.
In den Versuchen wurden menschliche und murine Krebszellen durch wiederholten Kontakt mit Cisplatin gegen das Medikament resistent gemacht. Huayu Wan senkte ihre Zellaktivität und Teilungsrate umso stärker, je höher die Konzentration war und je länger die Behandlung dauerte.
Allerdings reagierten auch die nicht resistenten Ausgangszellen auf die Mischung. Die Laborbefunde lassen deshalb keine ausschließlich gegen resistente Krebszellen gerichtete Wirkung erkennen.
Nach der Behandlung stieg der Gehalt an frei verfügbarem Eisen in den Krebszellen, während zugleich oxidative Schäden an den Membranfetten zunahmen. Gleichzeitig schwächte Huayu Wan das Glutathion-System, mit dem sich Zellen normalerweise gegen solche Schäden schützen.
Zusätzlich förderte die Mischung offenbar den Abbau von Ferritin, einem Protein, das Eisen in den Zellen speichert. Dadurch kann weiteres Eisen freigesetzt werden, das die schädliche Oxidation der Membranfette antreibt und so die Ferroptose begünstigt.
Für diesen Mechanismus sprechen auch Eingriffe in die Versuche. Ein Ferroptose-Hemmstoff und die Blockade des Ferritinabbaus retteten jeweils einen Teil der behandelten Zellen, während weitere Tests auch eine Beteiligung der Apoptose, eines anderen geregelten Zelltods, nahelegen.
Anschließend prüfte das Team die Rezeptur an Mäusen, denen zuvor cisplatinresistente Tumorzellen unter die Haut verpflanzt worden waren. Bei den behandelten Tieren wuchsen die Tumoren langsamer und erreichten ein geringeres Gewicht als in der unbehandelten Kontrollgruppe.