// SCINEXX — SPAZIO & SCIENZA
Kupfer aus Spanien könnte in der Bronzezeit bis nach Skandinavien gelangt sein
Wie weit reichte der Handel mit Kupfer in der Bronzezeit? Eine untersuchte Mine in Südwestspanien liefert neue Hinweise darauf, dass die Iberische Halbinsel Metall über weite Strecken lieferte. 17 Radiokarbondatierungen belegen dort spätbronzezeitlichen Bergbau, und elf skandinavische Bronzeobjekte haben chemische Merkmale, die zu dem Erzvorkommen passen. Eindeutig bewiesen ist ihre Herkunft damit noch nicht.
Sevilla (Spanien). Kupfer war einer der wichtigsten Rohstoffe der europäischen Bronzezeit, denn zusammen mit Zinn ließ sich daraus die namensgebende Legierung herstellen. Doch woher das Metall für Werkzeuge, Waffen und Schmuck in den verschiedenen Regionen stammte, lässt sich oft nur indirekt rekonstruieren.
Für Nord- und Westeuropa galten lange Bergbauregionen in Wales und den Alpen als besonders wichtige Lieferanten. Auch die Iberische Halbinsel besitzt zahlreiche Kupferlagerstätten, aber für viele ihrer vorgeschichtlichen Gruben fehlten bisher zuverlässige Datierungen. Dadurch blieb offen, in welchem Umfang dort während der späten Bronzezeit tatsächlich Kupfer gewonnen wurde.
Forscher der Durham University um Dr. Juan Latorre-Ruiz haben nun die Kupfermine Las Minillas nahe Granja de Torrehermosa in der spanischen Extremadura untersucht. Das Team wertete die Ergebnisse mehrerer Grabungskampagnen seit 2020 aus und verband archäologische Funde mit Bohrungen, geophysikalischen Messungen und Radiokarbondatierungen.
Entlang einer etwa 300 Meter langen Erzader verliefen Abbaugräben, die stellenweise mehrere Meter breit waren. Bohrungen dokumentierten Spuren des Bergbaus noch in mehr als acht Metern Tiefe. Unter 892 nachgewiesenen Steingeräten waren 735 gerillte Hämmer, mit denen sich Erz und Gestein bearbeiten ließen.
Besonders aussagekräftig sind 17 Datierungen von Holzkohle aus den Abbaugräben und einer benachbarten Siedlungszone. Sie reichen ungefähr von 1350 bis 750 vor Christus und belegen spätbronzezeitliche Aktivitäten, ohne einen ununterbrochenen Betrieb während dieses gesamten Zeitraums nachzuweisen. Las Minillas ist damit die bislang größte ausgegrabene und sicher in diese Epoche datierte Kupfermine auf der Iberischen Halbinsel.
Um mögliche Handelsverbindungen zu prüfen, untersuchte das Team die Bleiisotope und die chemische Zusammensetzung von Erzen und metallurgischen Funden aus Las Minillas. Solche Messwerte können auf die Herkunft eines Metalls hinweisen, weil Lagerstätten charakteristische Kombinationen von Isotopen und Spurenelementen aufweisen.
Beim Abgleich mit Daten von mehr als 300 skandinavischen Bronzeobjekten stimmten elf Stücke in ihren Isotopenwerten und chemischen Merkmalen mit Proben aus Las Minillas überein. Sie könnten daher Kupfer aus dieser Mine oder aus geologisch ähnlichen Vorkommen enthalten. Sieben dieser Objekte stammen aus der Zeit zwischen etwa 900 und 700 vor Christus und überschneiden sich damit mit der späten Nutzungsphase der Mine.
Der Vergleich belegt nicht, dass jedes dieser Objekte tatsächlich mit Metall aus Las Minillas hergestellt wurde. Auch der Weg des Kupfers bleibt offen. Ein Transport entlang der Atlantikküste über mehrere Handelsstationen ist eine mögliche Erklärung, aber keine direkt nachgewiesene Route.
Für Las Minillas reichen Schätzungen der insgesamt gewonnenen Kupfermenge von mindestens 49 bis zu 738 Tonnen. Eine vorsichtige Berechnung kommt auf rund 197 Tonnen. Diese Größenordnung ist für eine einzelne Mine beachtlich, lag aber deutlich unter der für den österreichischen Mitterberg geschätzten Gesamtproduktion von rund 23.000 Tonnen in einer früheren Epoche.