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Steam im Stau: Entwickler müssen ihre Spiele jetzt selbst spielen
Die Veröffentlichung eines Spiels auf Steam kann derzeit zur Geduldsprobe werden. Valve kämpft mit einer wachsenden Zahl von Einreichungen, bei denen bereits einfache technische Fehler eine Freigabe verhindern. Um die Kontrollen zu beschleunigen, hat der Betreiber seine Anforderungen an Entwickler überarbeitet.
Wie Valve in einer Mitteilung vom 3. November erklärt, testen manche Entwickler ihre Spiele offenbar ausschließlich durch den direkten Aufruf der ausführbaren Datei. Ob der Start später auch über Steam funktioniert, bleibt ungeprüft. Das Unternehmen stößt bei seinen Kontrollen tatsächlich auf Spiele, die zuvor kein einziges Mal über den Steam-Client gestartet wurden.
Künftig verlangt Valve deshalb, dass jedes Spiel vor der Einreichung mindestens fünf Minuten über den grünen „Spielen“-Button in Steam läuft. Der Nachweis muss in den vergangenen sieben Tagen erbracht worden sein. Liegt der letzte hochgeladene Build länger zurück, genügt Spielzeit seit diesem Upload. Welcher Nutzer das Spiel gestartet hat, spielt keine Rolle. In diesen fünf Minuten muss offenbar auch nicht tatsächlich gespielt werden – entscheidend ist die Laufzeit über den Steam-Client.
Die Zahl der zur Prüfung eingereichten Spiele und Shopseiten ist laut Valve in den vergangenen Monaten deutlich gestiegen. Üblicherweise benötigt das Unternehmen drei bis fünf Tage für die Kontrolle eines Spiels. Inzwischen müssen Entwickler mit bis zu zwölf Werktagen rechnen. Einen erheblichen Teil der Verzögerungen führt Valve auf erneute Prüfungen zurück, die wegen zuvor entdeckter Fehler notwendig werden.
Welche Folgen das haben kann, musste zuletzt das Indie-Studio tlproductions erfahren. Dessen Koop-Spiel Wheel Make It sollte ursprünglich am 12. Oktober erscheinen. Zu diesem Zeitpunkt wartete das Team nach eigenen Angaben allerdings schon rund zwei Wochen auf die Freigabe durch Valve.
Zunächst gab es Unklarheiten darüber, wie der lokale Mehrspielermodus funktioniert. Später scheiterte die Prüfung erneut, weil eine Auflösungseinstellung nicht mit dem Controller erreichbar war. Erst am 23. Oktober erhielt das Spiel die Freigabe. Veröffentlicht wurde es schließlich am 1. November, fast drei Wochen nach dem geplanten Termin.
Publisher 2 Left Thumbs kritisiert, dass der verschobene Release die zuvor aufgebaute Aufmerksamkeit zunichtegemacht habe. Mehr als 11.000 Nutzer hatten das Spiel laut Publisher auf ihre Wunschliste gesetzt. Nach der Veröffentlichung erreichte Wheel Make It zunächst jedoch nur einen Höchststand von 15 gleichzeitig aktiven Spielern. Wie groß der Einfluss der Verzögerung auf diese Zahlen tatsächlich war, lässt sich daraus allerdings nicht ableiten.
Der Publisher von Wheel Make It vermutet, dass die wachsende Menge schnell produzierter, KI-generierter Spiele die Prüfverfahren bei Valve überlastet. Einen entsprechenden Zusammenhang hat Valve bislang jedoch nicht bestätigt. Das Unternehmen spricht lediglich von einer erheblich gestiegenen Zahl an Einreichungen und den zusätzlichen Kontrollen fehlerhafter Spiele.
Um diese zu reduzieren, hat Valve weitere Punkte in die Checkliste vor der Veröffentlichung aufgenommen. Entwickler müssen unter anderem benötigte Laufzeitkomponenten wie DirectX oder Visual C++ angeben und ihre Steam-Errungenschaften kontrollieren. Bei Verwendung der Steam Cloud muss zudem nachgewiesen werden, dass tatsächlich ein Spielstand hochgeladen wurde.
Weitere Verbesserungen des Freigabeverfahrens sind bereits angekündigt. Einen Zeitplan, wann die Wartezeiten wieder auf das bisherige Niveau sinken sollen, nennt Valve bislang nicht.