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Digital Health: Wie gut sind Gesundheitsämter auf Pandemien vorbereitet?
Trotz Millionenförderung bleibt in Gesundheitsämtern der digitale Flickenteppich. Im Digital-Health-Podcast geht es um die Frage, was für kommende Krisen fehlt.
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Während die Weltgesundheitsorganisation (WHO) mit ihrem Berliner Pandemie-Frühwarnzentrum unter anderem mithilfe künstlicher Intelligenz darauf hinarbeitet, dass bis 2030 jedes Land neue Krankheitsausbrüche binnen 24 Stunden erkennen kann, kämpfen die rund 400 deutschen Gesundheitsämter noch immer mit den Grundlagen der Digitalisierung. Wie weit Anspruch und Wirklichkeit auseinanderklaffen, zeigte sich schon in der Corona-Pandemie. Als weitreichende Entscheidungen zum Schutz der Bevölkerung getroffen werden mussten, kamen die dafür nötigen Infektionsmeldungen oft noch per Fax in den Ämtern an und wurden händisch in Tabellen abgetippt.
Was sich seitdem getan hat und warum Technik allein für künftige Krisen nicht reicht, darüber spricht Marie-Claire Koch im Digital-Health-Podcast mit Nicolai Savaskan und Mesut Yavuz. Nicolai Savaskan ist Leitender Medizinaldirektor und Amtsarzt im Gesundheitsamt Berlin-Neukölln, derzeit beurlaubt, und hat die Corona-Zeit in einem der am dichtesten besiedelten Bezirke Deutschlands an vorderster Front erlebt. Yavuz ist selbstständiger IT-Berater, hat unter anderem Digitalisierungsprojekte im Gesundheitsamt Neukölln geleitet und weiß, wie es hinter den Kulissen aussieht. Beide zeigen im Gespräch sowie in einer aktuellen Studie zudem, warum auch politische Polarisierung zunehmend zur Herausforderung für den Gesundheitsschutz wird.
Zu Beginn der Pandemie war die tägliche Beobachtung der Inzidenzzahlen für die Ämter das wichtigste Instrument, um das Infektionsgeschehen überhaupt einschätzen zu können – vor allem, solange die genauen Übertragungswege des Virus noch unklar waren. Doch um aus reinen Fallzahlen präzisere Rückschlüsse zu ziehen, fehlten den Behörden die digitalen Werkzeuge. Moderne Statistikprogramme, wie sie an jeder Hochschule Standard sind, ließen sich in die starre Verwaltungs-IT schlicht nicht einbinden.
„Was wir hatten, war maximal Excel. Und das Höchste der Gefühle, was wir zu dem Zeitpunkt einrichten konnten, war eine Datenbank, die uns von der örtlichen IT erlaubt wurde, und das war Access“, erinnert sich Amtsarzt Savaskan. Weil Meldungen aus Laboren und Praxen oft händisch abgeglichen werden mussten, reichten schon unterschiedliche Schreibweisen wie „Maier“ und „Meyer“, um aus einer Person versehentlich zwei Infektionsfälle zu machen.
Im Digital-Health-Podcast erklärt heise-online-Redakteurin Marie-Claire Koch gemeinsam mit Kolleginnen die Digitalisierung im Gesundheitswesen verständlich. Neben einer redaktionellen Einordnung gibt es regelmäßig Expertengespräche zu elektronischer Patientenakte, Telemedizin, KI, Gesetzgebung und den Auswirkungen für Praxen, Kliniken und Patientinnen.
Erst im Verlauf der Pandemie lernten die Ämter, verschiedene Kennzahlen und Personalkapazitäten besser miteinander zu verknüpfen. Denn gute digitale Werkzeuge sind laut Savaskan vor allem nötig, um in einer Krise nicht nur pauschal reagieren zu müssen, sondern gefährdete Gruppen – etwa in Pflegeheimen oder Dialysezentren – frühzeitig zu erkennen und gezielt vor Ort zu schützen. „Digitalisierung soll im Kern nicht nur das Meldesystem bedienen, sondern die Arbeit vor Ort bei den Menschen gestalten und erleichtern“, betont Savaskan. Mit dem heutigen Erfahrungsschatz und den richtigen digitalen Systemen ließen sich Schutzmaßnahmen künftig viel zielgerichteter einsetzen, ohne ganze Häuser unter Quarantäne stellen zu müssen.
Um diesen Rückstand aufzuholen, sollte der „Pakt für den Öffentlichen Gesundheitsdienst“ mit 800 Millionen Euro für die Digitalis