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35 Millionen Jahre alte prähistorische „Riesenratte“ in Thailand entdeckt
Riesige Nagetiere sind bislang vor allem aus der jüngeren Erdgeschichte Südamerikas bekannt. Doch zwei fossile Zähne aus Thailand zeigen, dass eine frühe Nagetierlinie schon vor rund 35 Millionen Jahren ungewöhnliche Körpermaße erreichte. Die neu beschriebene Art Yakamys sirindhornae brachte demnach vermutlich etwa 30 Kilogramm auf die Waage.
Poitiers (Frankreich). Im Laufe ihrer Evolution haben Nagetiere höchst unterschiedliche Lebensräume besiedelt, doch die meisten Vertreter blieben vergleichsweise klein. Besonders große fossile Arten waren bislang vor allem aus jüngeren Ablagerungen Südamerikas bekannt, wo einige Linien deutlich schwerere Körper entwickelten.
Wie früh Nagetiere anderer Verwandtschaftsgruppen zu solchen Ausmaßen heranwuchsen, war dagegen kaum dokumentiert. Vor allem aus Asien sind frühe Vertreter der Ischyromyidae, einer inzwischen ausgestorbenen Nagetierfamilie, meist nur durch kleinere Fossilien bekannt. Ein Fund aus dem Süden Thailands erweitert nun dieses Bild.
Forscher der Université de Poitiers um Dr. Yaowalak Chaimanee haben zwei fossile Zähne aus einer Braunkohlegrube in der Provinz Krabi untersucht und als neue Gattung und Art beschrieben. Die Funde stammen aus einer Tonschicht im Grubenbereich Bang Mark und wurden bereits 2004 geborgen. Es handelt sich um einen zweiten unteren Backenzahn und das Fragment eines unteren Schneidezahns.
Beide Stücke lagen dicht beieinander in derselben Gesteinsschicht und sind ungewöhnlich groß. Das Team ordnet sie deshalb vorläufig derselben Tierart zu, ohne dass ein vollständigeres Skelett diese Zuordnung bestätigen könnte. Die Art heißt Yakamys sirindhornae, wobei der Gattungsname die Wörter für „Riese“ und „Maus“ verbindet und der Artname die thailändische Prinzessin Maha Chakri Sirindhorn ehrt.
Der fossile Backenzahn misst 11,56 Millimeter in der Länge und 11,27 Millimeter in der Breite. Die Anordnung seiner Zahnhöcker und der mikroskopische Aufbau des Schneidezahnschmelzes sprechen für die Zugehörigkeit zu den Ischyromyidae. Mehrere Abweichungen gegenüber bekannten Vertretern dieser frühen Nagetierfamilie stützen die Einstufung als eigenständige Gattung und Art.
Um das Körpergewicht abzuschätzen, verwendete das Team sieben Rechenmodelle, die Zahnmaße lebender Nagetiere mit ihrer Körpermasse in Beziehung setzen. Je nach Modell ergaben sich Werte zwischen 21,4 und 47,3 Kilogramm. Der Mittelwert lag bei 31,6 Kilogramm und der mittlere Wert der geordneten Schätzungen bei 28,6 Kilogramm, weshalb die Studie rund 30 Kilogramm als grobe Orientierungsgröße nennt.
Allerdings lässt sich aus zwei Zähnen keine genaue Körpermasse ableiten. Werden auch die Vorhersagefehler der einzelnen Modelle berücksichtigt, reichen die verschiedenen Unsicherheitsbereiche zusammen von 10,8 bis 69,0 Kilogramm. Diese Gesamtspanne ist kein einheitliches statistisches Konfidenzintervall, sondern verdeutlicht vor allem die erhebliche Unsicherheit der Schätzung.
Das Alter der Fundschicht wird anhand begleitender Säugetierfossilien und der magnetischen Eigenschaften des Gesteins auf etwa 35,1 bis 33,7 Millionen Jahre bestimmt. Damit lebte Yakamys im späten Eozän, lange bevor in Südamerika die besonders großen Nagetierlinien der jüngeren Erdgeschichte auftraten. Auch die zuvor bekannten frühen Ischyromyidae aus Asien waren wesentlich kleiner.
Der Fund zeigt, dass sich ausgeprägter Großwuchs schon früh in der Evolution der Nagetiere entwickelte und nicht auf spätere südamerikanische Linien beschränkt war. Er belegt hingegen weder, dass diese Tiergruppe in Thailand entstand, noch wann sich die riesigen Körpermaße erstmals ausprägten. Ein bislang nicht näher bestimmter großer fossiler Schneidezahn aus Myanmar könnte sogar auf ältere Vorkommen großer Nagetiere in der Region hinweisen, ist aber noch nicht wissenschaftlich beschrieben.