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Bandenchef bittet UN um Vermittlung in Haiti
In Haiti werden nach einem Bandenangriff vier salvadorianische Militärangehörige vermisst. Um sie zu retten, schickt Präsident Bukele weitere Soldaten ins Land und droht den Gangs. Ein Bandenchef reagiert nun mit einem Brief an die UN.
"Offizielles Gesuch um internationale Vermittlung und die Aufnahme eines Dialogs zur Förderung von Frieden und Stabilität in Haiti", so lautet der Betreff des zweiseitigen Briefes an den UN-Generalsekretär António Guterres.
Unterzeichnet ist das Schreiben von Joseph Wilson, der auch unter dem Namen Lanmò San Jou bekannt ist. Wilson führt die kriminelle Bande "400 Mawozo" - bekannt für organisierte und kollektive Entführungen, Mord, Erpressung, Lkw-Überfälle sowie Waffen- und Menschenschmuggel.
Die US-Regierung hat ein Kopfgeld von bis zu einer Million Dollar auf Wilson ausgesetzt. Ihm wird vorgeworfen, an der Entführung von 17 christlichen Missionaren im Oktober 2021 beteiligt gewesen zu sein.
Im Briefkopf prangt eine Friedenstaube mit Lorbeerzweig im Schnabel, in der Fußzeile finden sich eine WhatsApp-Nummer und eine Gmail-Adresse. Sicherlich ist es nicht alltäglich, dass sich ein Bandenchef auf diesem Weg an den Generalsekretär wendet.
Auf die Frage eines Journalisten, ob die UN auf das Schreiben reagieren werden, erklärte der Sprecher Stéphane Dujarric, die Bestätigung des Eingangs bedeute weder eine Anerkennung des Bandenchefs noch eine Billigung des Briefinhalts. Es ergebe sich auch keine Verpflichtung des Generalsekretärs, darauf zu antworten.
Wilson fordert, dass die UN eine Delegation nach Haiti schicken. Diese solle einen Dialog- und Vermittlungsprozess zwischen den bewaffneten Banden und den internationalen Sicherheitskräften ermöglichen, ausdrücklich auch mit Beteiligung der Truppen aus El Salvador.
In Haiti kontrollieren kriminelle Banden den Großteil des Landes, immer wieder gibt es Gewalt.
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Hintergrund ist die Entführung von vier salvadorianischen Militärangehörigen am 18. Oktober. In der Nähe der Hauptstadt Port-au-Prince wurde ihr Fahrzeug angegriffen. Seitdem gelten die vier als vermisst. Nun behauptet Wilson, sie seien tot. Eine unabhängige Bestätigung dafür gibt es bislang nicht.
In einem Exklusiv-Interview mit der Nachrichtenagentur AP kritisierte er vor allem die Drohnenangriffe der Sicherheitskräfte, bei denen Zivilisten getötet würden, darunter Kinder und ältere Menschen.