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Kalte Duschen reduzieren die Krankheitstage
Regelmäßige kalte Duschen könnten im Alltag mehr bewirken als nur einen Frischekick. In einer Auswertung dreier Schweizer Versuche berichteten Menschen mit häufigen kalten Duschen über 26 Prozent weniger Krankheitstage und 31 Prozent weniger krankheitsbedingte Fehltage bei der Arbeit. Die Daten zeigen allerdings einen Zusammenhang und noch keinen gesicherten gesundheitlichen Schutzeffekt.
Basel (Schweiz). Kaltes Wasser gilt vielen als Muntermacher, während sein tatsächlicher Einfluss auf das Krankheitsgeschehen im Alltag kaum geklärt ist. Bisherige Befunde lassen vermuten, dass regelmäßige Kältereize nützlich sein könnten, doch die Aussagekraft einzelner Untersuchungen ist begrenzt.
Hinzu kommt eine praktische Frage. Kalte Duschen kosten Überwindung, könnten aber zugleich Energie sparen und so einen persönlichen Anreiz für klimafreundlicheres Verhalten bieten. Ob diese ungewohnte Routine auch mit weniger Krankheitstagen und einem besseren Wohlbefinden zusammenhängt, war bislang nur unzureichend untersucht.
Forscher der Universität Basel um Dr. Lena Glaser haben für ihre Dissertation Daten aus drei in der Schweiz durchgeführten, ursprünglich randomisierten Versuchen zusammengeführt. Insgesamt standen von 719 Menschen zwischen 18 und 65 Jahren auswertbare Angaben zur Verfügung. Die Versuche prüften über zwölf Wochen verschiedene Anleitungen und Hilfen, mit denen sich regelmäßige kalte Duschen im Alltag etablieren lassen sollten.
Für den Vergleich ordneten die Forscher die Teilnehmer anschließend anhand ihres selbst berichteten Duschverhaltens ein. Als regelmäßiger Kaltduscher galt, wer mindestens 70 Prozent seiner Duschen kalt genommen hatte, während alle übrigen die Vergleichsgruppe bildeten. Diese Einteilung war nicht identisch mit den anfangs zufällig zugewiesenen Versuchsgruppen.
Die Gruppe der regelmäßigen Kaltduscher meldete im Vergleich 26 Prozent weniger Tage mit Krankheitssymptomen und 31 Prozent weniger krankheitsbedingte Fehltage am Arbeitsplatz. Beide relativen Unterschiede waren statistisch signifikant. Sie belegen allerdings weder eine geringere Zahl tatsächlicher Infektionen noch einen unmittelbaren Schutz durch das kalte Wasser.
Daneben fiel das psychische Wohlbefinden bei den regelmäßigen Kaltduschern im Mittel etwas besser aus. Beim körperlichen Wohlbefinden und beim Zustand der Haut zeigte sich dagegen kein statistisch gesicherter Unterschied. Die Aussagen beruhten auch hier auf Fragebögen und nicht auf unabhängigen körperlichen Messungen.
Als unmittelbaren Nutzen der kalten Dusche nannten Teilnehmer vor allem ein Gefühl von Wachheit und Erfrischung. Auch der Stolz, sich zu etwas Unangenehmem überwunden zu haben, könnte die Motivation stärken. Gerade zu Beginn der Versuche brachen aber viele Menschen das Kaltduschen ab.
„Kalt duschen ist zwar nicht besonders angenehm. Die Verhaltensveränderung ist aber klein, wir duschen schließlich sowieso,“ erklärt Dr. Lena Glaser.
Die gesundheitlichen Befunde lassen offen, ob das kalte Wasser die geringeren Fehlzeiten verursacht hat. Denn die entscheidenden Vergleichsgruppen entstanden erst aufgrund des tatsächlichen Duschverhaltens und nicht durch die zufällige Zuteilung am Studienbeginn. Menschen, die konsequent kalt duschten, könnten sich daher auch in anderen gesundheitsrelevanten Eigenschaften unterschieden haben.