// HEISE ONLINE — HARDWARE & GADGET
Intransparente Rechenzentren: Versteckspiel beim Energiehunger
Das Energieeffizienzgesetz verlangt Offenheit von Rechenzentren-Betreibern. Doch Recherchen zeigen, dass viele den Strom- und Wasserverbrauch geheim halten.
This article is also available in
English.
It was translated with technical assistance and editorially reviewed before publication.
Anlässlich des „Tags der offenen Rechenzentren“ präsentierten sich Betreiber am Freitag als nahbare Dienstleister. Mit Führungen und Einblicken hinter die Kulissen wollte die German Datacenter Association (GDA) Transparenz schaffen und Vertrauen gewinnen. Abseits dieser Imagekampagne nimmt es ein Großteil der Unternehmen mit der Offenheit aber nicht so genau, hat der SWR herausgefunden.
In den Hallen stehen Hunderttausende Server, die gewaltige Mengen an elektrischer Energie verschlingen. Nach Angaben des IT-Verbands Bitkom entfallen knapp vier Prozent des gesamten deutschen Stromverbrauchs auf sie. Je nach Kühltechnik ist auch der Wasserbedarf hoch, was angesichts sinkender Grundwasserspiegel in vielen Regionen ein drängendes Umweltproblem darstellt.
Um dem zu begegnen, sieht das deutsche Energieeffizienzgesetz strenge Vorgaben vor. Betreiber größerer Anlagen sind verpflichtet, Kennzahlen zu ihrem Strom- und Wasserverbrauch zu veröffentlichen. Recherchen und Anfragen des SWR Data Lab bei rund dreißig der bundesweit größten Betreiber zeichnen indes ein trüberes Bild.
Mehr als die Hälfte der untersuchten Unternehmen kommt dieser Pflicht demnach mutmaßlich nicht nach. Die Angaben waren im Internet schlicht nicht auffindbar. Teils sollen Betreiber die Auskunft explizit verweigert haben. Zu dieser Gruppe gehören dem Bericht zufolge namhafte Marktgrößen wie Equinix, NTT und CloudHQ, wodurch der Ressourcenverbrauch zahlreicher wichtiger digitaler Infrastrukturen im Dunkeln bleibe.
Rechtswissenschaftler kritisieren dieses Vorgehen scharf. Der Erlanger Jura-Professor Bernhard Wegener bewertet die Praxis als unvereinbar mit dem geltenden Recht: Die Öffentlichkeit habe unstrittig einen Anspruch auf Umweltinformationen. Auch Julian Bothe, KI- und Nachhaltigkeitsexperte bei AlgorithmWatch, verweist auf die Dringlichkeit der Lage. Mitten in einer Energie- und Wasserkrise sei es fatal, wenn der genaue Ressourcenhunger im Verborgenen bleibe.
Die Bundesregierung treibt das Wachstum der Branche derweil voran. Sie strebt an, die Leistung der Rechenzentren bis 2030 zu verdoppeln, um im internationalen Wettlauf mitzuhalten. Angesichts stark unterschiedlicher Effizienzwerte einzelner Anlagen betonen Beobachter, die laufende Debatte über den Ressourcenverbrauch sei dringend auf Transparenz angewiesen.
Zur Begründung für ihre Verschwiegenheit berufen sich betroffene Unternehmen vor allem auf den Schutz von Betriebs- und Geschäftsgeheimnissen. Der US-Konzern Equinix argumentiert, Verbrauchsdaten könnten Rückschlüsse auf Investitionsstrategien oder Kundenkapazitäten zulassen. Zugleich beteuert er aber, alle Vorgaben zu erfüllen.
Der japanische Dienstleister NTT lehnte Standortangaben ebenfalls ab und verwies auf die EU-Energieeffizienzrichtlinie, die entsprechende Ausnahmen vorsehe. Allerdings enthält das nationale deutsche Energieeffizienzgesetz im Gegensatz zum europäischen Pendant keine solche pauschale Einschränkung. Das zuständige Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle hebt hervor, es gebe keinerlei Absprachen, Daten wegen Geschäftsgeheimnissen von der Veröffentlichung freizustellen.