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Deutsche Lüfter-Ikone: ebm‑papst geht für 5,1 Milliarden Euro in die USA
Der deutsche Lüfter- und Ventilatorenspezialist ebm‑papst bekommt nach mehr als sechs Jahrzehnten einen neuen Eigentümer. Die drei Gesellschafterfamilien verkaufen das Unternehmen an Madison Air aus den USA. Insbesondere das schnell wachsende Geschäft mit der Kühlung von Rechenzentren weckt beim Käufer Interesse.
Die Gesellschafterfamilien haben eine Vereinbarung zur Übertragung ihrer Anteile an den börsennotierten US-Konzern unterzeichnet, teilten ebm‑papst und Madison Air mit. Im Rahmen der Transaktion wird der Ventilatorenhersteller mit 5,1 Milliarden Euro bewertet. Der eigentliche Kaufpreis liegt nach Abzug von Pensionsrückstellungen, Leasingverbindlichkeiten und weiteren Positionen bei 4,775 Milliarden Euro.
Die zuständigen Behörden müssen dem Geschäft noch zustimmen. Abgeschlossen werden soll die Transaktion gegen Ende des Jahres 2026. Zu den erforderlichen Prüfungen gehören laut Käufer auch die Investitionskontrolle, die Fusionskontrolle und eine Prüfung der Europäischen Kommission nach der Verordnung über Subventionen aus Drittstaaten.
Für die weltweit mehr als 13.000 Beschäftigten, darunter rund 5.800 in Deutschland, soll sich zunächst nichts ändern. Mulfingen in Baden-Württemberg bleibt Hauptsitz der Gruppe sowie ein bedeutender Forschungs-, Entwicklungs- und Produktionsstandort. Auch bestehende tarifliche Regelungen, Betriebsvereinbarungen und arbeitsrechtliche Verpflichtungen sollen bestehen bleiben.
Bislang befindet sich ebm‑papst in der Hand dreier Gesellschafterfamilien. Das Unternehmen entstand 1963 zunächst als Elektrobau Mulfingen und übernahm 1992 den Ventilatorenhersteller Papst Motoren aus St. Georgen. Seit 2003 tritt die Unternehmensgruppe unter dem heutigen Namen ebm‑papst auf. Mit dem Verkauf endet die Geschichte als Familienunternehmen.
Bei Endkunden ist ebm‑papst vor allem durch die früher weitverbreiteten Papst-Lüfter für Computer bekannt. Heute arbeitet das Unternehmen jedoch überwiegend als Industriezulieferer. Zum Sortiment gehören weiterhin Kompaktlüfter, die unmittelbar in Servern, Routern und anderen IT-Systemen eingesetzt werden. Hinzu kommen große Ventilatorsysteme, mit denen die warme Luft in Rechenzentren durch Kühlanlagen bewegt wird.
Dieses Geschäft gewinnt durch den Ausbau von KI-Infrastruktur an Bedeutung. ebm‑papst bezeichnet die Entwicklung seiner Rechenzentrumssparte selbst als „außerordentlich dynamisch“. Die Plattform Nexaira soll Lüfter und Kühlsysteme abhängig vom tatsächlichen Bedarf steuern, Wartungsbedarf vorhersagen und dadurch den Energieverbrauch von Rechenzentren reduzieren.
Für Madison Air ist ebm‑papst außerdem wegen seiner Stellung in Europa und Asien interessant, während der US-Konzern den Großteil seines Geschäfts bislang in Nordamerika erwirtschaftet. Umgekehrt soll ebm‑papst einen besseren Zugang zum US-Markt und zum dortigen Kapitalmarkt erhalten. Madison Air rechnet damit, dass die Übernahme den für das Unternehmen erreichbaren Markt nahezu verdoppelt. ebm‑papst bringt nach Angaben des Käufers mehr als 1.200 Patente und über 250 Millionen weltweit installierte Ventilatoren aus dem Kerngeschäft Air Technology mit.
Wie bekannt der Name Papst einst unter PC-Schraubern war, zeigt auch das ComputerBase-Archiv. In einem Vergleich von 32 PC-Gehäuselüftern aus dem Jahr 2003 traten vier Papst-Modelle in den Größen 80 und 120 mm an. Schon damals verwies die Redaktion auf den seit vielen Jahren guten Ruf der Marke. Auffällig war das nüchterne Auftreten: Die schwarzen Industrielüfter kamen vollständig ohne Verpackung und Zubehör, versprachen aber Laufzeiten von 75.000 bis 80.000 Stunden.
Auch bei späteren CPU-Kühler-Tests blieb Papst präsent. Der 120 mm große F2GLL diente der Redaktion beispielsweise noch 2008 beim Test des Xigmatek Dark Knight als Referenzlüfter. Im heutigen PC-Endkundenmarkt wird die Marke dagegen von Anbietern wie Arctic, be quiet!, Noctua und Noiseblocker überlagert. Für Server, Telekommunikation, Rechenzentren und andere industrielle Anwendungen