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„The Sinking City 2“ angespielt: Lovecraft trifft auf Kriegsalltag
Im Horror-Spiel „The Sinking City 2“ erkunden Spieler eine Stadt in Trümmern, die aus Lovecraft-Albträumen und der Realität des Ukraine-Krieges entspringt.
43 Monate Entwicklungszeit, Teammitglieder an der Front und keine Release-Party – „The Sinking City 2“ entstand während des Ukraine-Krieges, der nur wenig Zeit zum Feiern lässt. Während russische Raketen das Zuhause zerbombten, werkelte das ukrainische Frogwares-Team an einem Neuanfang. Statt der Detektivspielerei des Vorgängers geht es in der Fortsetzung um das nackte Überleben in einer albtraumhaften Welt, in der sich Lovecraft’sche Monster und der Kriegsalltag die Hand geben.
Das Spiel beginnt mit dem Klang, den die Entwickler jeden Morgen gehört haben: dem Dröhnen einer Sirene. Später finden wir in einem Hospital Röntgenbilder echter Kriegsopfer und ihre Krankenakten. Auch das Feuerwerk ist nicht das, was es auf den ersten Blick scheint. Statt einfach Soundeffekte zu benutzen, hat Frogwares die Schussgeräusche ukrainischer Flugabwehrkanonen bearbeitet. Mit jedem Schritt durch die Trümmer der fiktiven Stadt Arkham wird deutlicher, warum das betuliche Detektivspiel des ersten Teils dem Überlebenskampf in einem Albtraumszenario gewichen ist.
Vom realen Krieg ist im Spiel oberflächlich wenig zu sehen. Wir springen ins Jahr 1929: Eine Flut hat die fiktive Stadt Arkham zerstört und geheimnisvolle Würmer, sogenannte Slithers, kommen aus den Tiefen des Meeres und verseuchen die Stadt. Während die meisten Überlebenden fliehen, experimentieren der Abenteurer Calvin und seine Freundin Faye mit okkulten Ritualen. Doch ihre Beschwörung geht schief, Faye landet im Koma und Calvin muss in der versunkenen Stadt nach Hilfe suchen.
Alles in dieser Welt ist trist, grau und zerstört. Wie nach einem Raketenbeschuss liegen überall Trümmer herum. Der Tod ist allgegenwärtig. In manchen Abschnitten stapft Calvin über Dutzende von Toten. Es liegt nahe, hinter diesen Bildern eine Metapher auf den Kriegsalltag in der Ukraine zu sehen. Eine trostlose Welt, in der ein Albtraum zur Realität wird.
Spielerisch wird daraus klassischer Survival-Horror im Stil von „Resident Evil“, der inhaltlich nur noch das inoffizielle Lovecraft-Szenario und eine versunkene Stadt mit dem Vorgänger gemein hat. Auch die Open World ist einem Level-orientierten Spielprinzip gewichen. Im ersten Abschnitt kurvt Calvin noch mit einem Boot durch die Stadt, später erkundet er ein Hospital, eine Fischfabrik und schließlich geht es unter die Erde.
Das Erfolgsprinzip des Genres funktioniert: Hinter jeder Ecke kann ein Monster lauern, jedes Geräusch könnte die Ankunft einer Gefahr ankündigen, und jede Patrone ist wichtig. Aus Rohstoffen wie Metallteilen, Schießpulver und Chemikalien bastelt sich unser Held Munition oder Heilmittel. Dazwischen findet er sogenannte Traumessenzen, die er als Fertigkeitspunkte im Talentbaum nutzen kann. Waffen wie die Pistole, die Schrotflinte oder das Maschinengewehr werden dann mächtiger, Heilmittel effektiver.
Das Bestiarium beschränkt sich zunächst auf den üblichen Zombie-Monster-Mix. Die kleinen Würmer übernehmen die Körper von Toten, oder Alien-ähnliche Hugger stürzen sich auf Calvin. Die Gegner sind dann zwar nicht besonders schnell und clever, werden aber in engen Räumen zur Todesgefahr. Einfach drauflosballern ist wenig erfolgversprechend. Stattdessen muss Calvin bestimmte Trefferzonen anvisieren und die Umgebung nutzen, um mit explodierenden Gasflaschen oder Lampen die Feinde anzuzünden.
Später werfen die Gegner mit Säureballen und große schleimige Monster tauchen auf. Der „kosmische Horror“ Lovecrafts wird spätestens dann deutlich, wenn geheimnisvolle Wesen auftreten oder ein Übersetzer grauenvolle Experimente an Fischwesen vornimmt. Das kann alles recht knackig schwer werden. Gespeichert wird entweder automatisch an wichtigen Punkten der Story oder am Grammophon in den „Safe Rooms“, wo Calvin auch sein Inventar und seine Fertigkeiten verwaltet.
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