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Taylor Swift und Co. – Albumstarts gehen mit mehr Verkehrstoten einher
Wenn ein großes Album erscheint, schnellen oft die Abrufzahlen hoch, doch möglicherweise verändert sich zugleich das Unfallgeschehen auf den Straßen. An den Veröffentlichungstagen von zehn besonders stark gestreamten Alben lag die Zahl der Verkehrstoten in den USA laut einer neuen Studie rund 15 Prozent höher als an Vergleichstagen. Die Analyse liefert damit Hinweise auf Ablenkung durch Smartphones, ohne diesen Mechanismus direkt nachweisen zu können.
Cambridge (U.S.A.). Smartphones bündeln Navigation, Kommunikation und Unterhaltung in einem Gerät und schaffen dadurch im Auto zusätzliche Möglichkeiten, die Aufmerksamkeit vom Verkehr abzuziehen. Dass bereits Gespräche die visuelle Verarbeitung beim Fahren beeinträchtigen, zeigen frühere Untersuchungen. Forscher der Harvard Medical School und beteiligter Kliniken haben nun einen ungewöhnlichen natürlichen Vergleich genutzt, um den Zusammenhang zwischen digitaler Ablenkung und tödlichen Verkehrsunfällen zu untersuchen.
Die Untersuchung erschien im Februar zunächst als Arbeitspapier des National Bureau of Economic Research und liegt nun fachbegutachtet im Fachjournal JAMA Network Open vor. Als zeitlich scharf begrenzte Ereignisse dienten große Albumveröffentlichungen, an denen die Nutzung von Musikstreaming sprunghaft steigt.
Für ihre Analyse wählten die Forscher zehn Alben mit besonders hohen eintägigen Spotify-Abrufzahlen in den USA zwischen 2017 und 2022 aus. Jedem Veröffentlichungstag stellten sie die jeweils zehn Tage davor und danach als Vergleichszeitraum gegenüber. Die Streamingaktivität bestimmten sie anhand der 200 meistgehörten Spotify-Titel in den USA, während tödliche Unfälle aus dem Fatality Analysis Reporting System (FARS) stammten. In der statistischen Auswertung berücksichtigte das Team unter anderem den Wochentag, Bundesfeiertage und die Jahreszeit.
An den Albumtagen wurden im Mittel 123,3 Millionen Streams registriert, gegenüber 86,1 Millionen an den benachbarten Vergleichstagen, was einem Plus von 43 Prozent entspricht. Gleichzeitig lag die durchschnittliche Zahl der Verkehrstoten bei 139,1 statt bei 120,9 an den Vergleichstagen. In der statistisch bereinigten Auswertung entsprach diese Differenz einem relativen Anstieg der Verkehrstoten um 15,1 Prozent. Über alle zehn untersuchten Veröffentlichungstage summierte sich der Unterschied rechnerisch auf rund 182 zusätzliche Todesfälle.
Wie genau Albumstarts mit dem veränderten Unfallgeschehen zusammenhängen könnten, lässt sich aus der Analyse nicht ableiten.
„Möglich ist, dass das Gerät bedient wird oder dass die Aufregung allgemein ablenkt. Möglich ist auch, dass man die Musik lauter als sonst abspielt und dadurch Dinge in der Umgebung nicht wahrnimmt, die man sonst bemerkt hätte. All das ist denkbar“, erklärt Anupam Bapu Jena.
Die Daten zeigen allerdings nicht, ob die Verunglückten tatsächlich eines der untersuchten Alben hörten oder während der Fahrt ein Smartphone bedienten. Auch die Spotify-Zahlen verraten nicht, wo die Musik gestreamt wurde, weshalb der zeitliche Zusammenhang keinen direkten Kausalnachweis erlaubt. Die Studie belegt somit weder für einzelne Unfälle noch insgesamt, dass Streaming oder Smartphone-Nutzung die zusätzlichen Todesfälle verursacht haben.
Zusätzliche Untergruppenanalysen passen teilweise zur Ablenkungshypothese, denn der Zusammenhang fiel unter anderem bei jüngeren Fahrern, bei Männern und bei Alleinfahrten stärker aus. Solche Muster stützen die Interpretation der Autoren, ersetzen aber keinen direkten Nachweis des konkreten Verhaltens unmittelbar vor einem Unfall.
Die Autoren sehen das Ergebnis deshalb weniger als Warnung vor bestimmten Alben denn als Hinweis auf ein allgemeineres Problem vernetzter Fahrzeuge.