// SCINEXX — SPAZIO & SCIENZA
Firmen erwarten durch KI sinkende Löhne, vor allem bei Berufseinsteigern
Künstliche Intelligenz verändert nicht nur Aufgaben und Personalbedarf, sondern könnte nach Einschätzung vieler Unternehmen auch die Lohnentwicklung verschieben. In einer ifo-Umfrage rechnet rund jedes zweite KI-nutzende Unternehmen bei Beschäftigten mit weniger als fünf Jahren Berufserfahrung mit sinkenden Löhnen. Bei formalen Abschlüssen erwarten Unternehmen dagegen häufiger steigende Löhne.
München (Deutschland). Wie sich Künstliche Intelligenz auf Einkommen auswirkt, ist bislang schwer zu beziffern, weil sich Technik und betrieblicher Einsatz rasch verändern. Eine neue Auswertung des ifo Instituts zeigt nun, welche Lohnfolgen deutsche Unternehmen erwarten, die KI bereits einsetzen. Demnach rechnen sie in den kommenden fünf Jahren besonders bei Beschäftigten mit kurzer Berufserfahrung häufig mit sinkenden Löhnen.
Die Ergebnisse beschreiben allerdings Erwartungen der Unternehmen und keine bereits gemessenen Lohnverluste. Auch geben sie nicht an, um welchen Betrag sich einzelne Gehälter verändern könnten. Die Befragung zeigt vielmehr, in welchen Beschäftigtengruppen Firmen den größten Lohndruck durch KI vermuten.
Die Auswertung basiert auf der ifo Konjunkturumfrage vom Juni 2026 und umfasst mehr als 3.000 Unternehmen in Deutschland, die KI bereits nutzen. Dabei wird zwischen Beschäftigten mit weniger als fünf Jahren und mit mindestens fünf Jahren Berufserfahrung sowie Gruppen mit und ohne Fachhochschul- oder Hochschulabschluss unterschieden.
Bei kurzer Berufserfahrung erwartet ungefähr jedes zweite befragte Unternehmen sinkende Löhne. Für Beschäftigte mit mindestens fünf Jahren Berufserfahrung liegt der Anteil laut ifo nur noch bei rund 40 Prozent. Zugleich rechnet je nach Qualifikation etwa ein Drittel bis die Hälfte der Firmen mit stabilen Löhnen.
„Am ehesten rechnen sie bei weniger erfahrenen Arbeitskräften mit sinkenden Löhnen“, sagt ifo-Forscherin Anna Ruffert.
Besonders deutlich sind die Unterschiede zwischen den Wirtschaftsbereichen bei Beschäftigten ohne Fachhochschul- oder Hochschulabschluss. Unter den Dienstleistern erwarten 53,3 Prozent sinkende Löhne für Arbeitskräfte mit kurzer Berufserfahrung. Bei mindestens fünf Jahren Erfahrung sind es 44,2 Prozent.
Im Handel liegen die entsprechenden Anteile bei 47,9 und 41,3 Prozent, im Verarbeitenden Gewerbe bei 46,5 und 38,9 Prozent. Bauunternehmen rechnen seltener mit sinkenden Löhnen. Dort nennen 39,0 Prozent einen negativen Effekt bei kurzer und 31,3 Prozent bei längerer Berufserfahrung.
Ein formaler Abschluss ändert die Erwartungen an sinkende Löhne nach Angaben des ifo nur wenig. Bei Beschäftigten mit Fachhochschul- oder Hochschulabschluss und mindestens fünf Jahren Berufserfahrung erwarten 26 Prozent einen positiven Lohneffekt durch KI. Bei kürzerer Berufserfahrung sind es 16,3 Prozent.
„Für Arbeitskräfte mit formalen Abschlüssen – besonders in Kombination mit längerer Berufserfahrung – halten Unternehmen häufiger positive Lohneffekte durch KI für möglich“, erklärt Anna Ruffert.