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Russland: Zensierte »Spider-Man«-Raubkopie sorgt für Publikumsansturm in Moskauer Kinos
Gäste bei der Premiere des neuen »Spider-Man«-Films in Russland
»Spider-Man: Brand New Day« lockt massenweise Zuschauer in die Kinos, spielte bereits mehr als zwei Milliarden Dollar ein. Auch in Russland ist das Interesse enorm, obwohl der Film dort mit Verzögerung und nur als zensierte Raubkopie zu sehen ist. Am Donnerstag brachte er Moskauer Filmtheatern weitgehend ausverkaufte Säle. Selbst Tickets für umgerechnet gut 40 Euro waren in der Hauptstadt nicht mehr zu bekommen.
Viele Russen warteten gespannt auf den Film und ärgerten sich, dass der Kinostart wegen des russischen Märchenfilms »Der letzte Held: Kolobok« verzögert worden war. Darin geht es um einen dicken Pfannkuchen. Die Macher des Films hatten Kinobetreiber aufgefordert, »Spider-Man« zu verschieben, damit Filmfreunde mehr Zeit haben, sich Koloboks Abenteuer anzuschauen. Laut Medienberichten floppte der Plan: »Kobolok« lief demnach in einigen Kinos von früh bis spät vor leeren Sälen.
Die Filmemacher beklagten sich über Morddrohungen. Die mit staatlichem Geld finanzierte und vom Kreml gesteuerte Filmindustrie in Russland produziert nach Einschätzung von Filmkritikern oft völlig am Geschmack der Zuschauer vorbei. Filme aus den USA und anderen westlichen Ländern hingegen sind oft sehr beliebt – auch wenn sie verboten werden, weil sie nach Auffassung des Kulturministeriums nicht »traditionellen Werten« entsprechen.
Wie »Spider-Man« werden die meisten westlichen Filme als Raubkopien gezeigt und bisweilen auch von Zensoren bearbeitet. In der in Moskauer Kinos gezeigten Fassung von »Spider-Man« etwa fehlt das Lied der russischen Sängerin Monetotschka . Sie hatte den russischen Krieg gegen die Ukraine kritisiert, meldeten kremlkritische Medien.
Die russische Führung rechtfertigt den Bruch des Urheberrechts als Reaktion auf westliche Sanktionen, die wegen des Angriffskrieges auf die Ukraine verhängt worden waren. Dmitrij Medwedew, Ex-Präsident und stellvertretender Chef des nationalen Sicherheitsrates, hatte etwa 2023 gesagt, in Zeiten westlicher Sanktionen spiele das Urheberrecht keine Rolle. Er begrüße die Nutzung von Raubkopien.