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Wer hilft mehr: Menschen mit geringem Einkommen oder Reiche?
Ob Wohlhabende hilfsbereiter sind als Menschen mit weniger Ressourcen, lässt sich nicht pauschal beantworten. Eine neue Auswertung zeigt, dass der kleine Vorteil höherer sozialer Klassen wächst, wenn Hilfe Geld kostet, bei direktem Kontakt mit Hilfsbedürftigen aber deutlich schrumpft. Zwei unterschiedliche soziale und ökonomische Mechanismen könnten die widersprüchlichen Befunde früherer Studien erklären.
Hamburg (Deutschland). Seit Jahren liefern Studien zur Hilfsbereitschaft unterschiedlicher sozialer Klassen ein widersprüchliches Bild. Manche Untersuchungen legen nahe, dass Menschen aus niedrigeren sozioökonomischen Lagen stärker auf andere achten und eher helfen. Andere finden keinen solchen Zusammenhang oder sogar einen kleinen Vorteil für Menschen aus höheren sozialen Klassen. Die Unterschiede könnten daran liegen, welche Art von Hilfe jeweils untersucht wird.
Johannes Stark von The Hong Kong Polytechnic University (PolyU) und seine Kollegen haben diese Erklärung nun mit drei sich ergänzenden Untersuchungen geprüft. Sie kombinierten eine Reanalyse eines großen metaanalytischen Datensatzes mit deutschen Langzeitdaten und einem vorab registrierten Experiment. Dabei unterschieden sie vor allem zwischen direktem persönlichem Kontakt und Hilfe, die Geld kostet.
Für den ersten Teil wertete das Team 159 Quellen mit 245 unabhängigen Studien, 513 Effektgrößen und insgesamt 679.721 Teilnehmern neu aus. Über alle Untersuchungen hinweg bestand nur ein kleiner positiver Zusammenhang zwischen sozialer Klasse und prosozialem Verhalten, also Handlungen zugunsten anderer. Der gepoolte Korrelationswert lag bei r = 0,07.
Entscheidend war jedoch die Situation. Ohne direkte Interaktion mit der Person, die von der Hilfe profitierte, lag die gepoolte Korrelation bei r = 0,10. Bei direktem Kontakt sank sie auf r = 0,03. Dieser Befund bedeutet nicht, dass sich der Zusammenhang generell umkehrte. Der kleine Vorsprung höherer sozialer Klassen wurde vielmehr deutlich schwächer. Geldkosten verstärkten dagegen den positiven Zusammenhang zwischen sozialer Klasse und Hilfsbereitschaft.
„Beide Lager hatten recht, nur eben in unterschiedlichen Situationen. Menschen, die im Alltag auf andere angewiesen sind, helfen eher, wenn jemand direkt vor ihnen steht. Menschen, die Geld übrig haben, geben eher, wenn Hilfe Geld kostet“, erklärt Prof. Christian Tröster von der Kühne Logistics University (KLU).
Warum diese Unterschiede auftreten, untersuchten die Wissenschaftler anschließend anhand des Sozio-oekonomischen Panels. Die Analyse umfasste 16.368 Beobachtungen von 8.525 Menschen aus den Jahren 2010, 2015 und 2020. Die soziale Klasse wurde aus Haushaltseinkommen, Bildungsniveau und beruflichem Prestige des Haushaltsvorstands abgeleitet.
Dabei zeigte sich ein sozialer Pfad. Eine höhere soziale Klasse hing mit einem geringeren Erleben von Abhängigkeit von anderen zusammen. Diese erlebte Abhängigkeit war wiederum mit mehr Zeit für die Betreuung hilfsbedürftiger Menschen verbunden. Parallel zeigte sich ein ökonomischer Pfad. Menschen aus höheren sozialen Klassen nahmen mehr wirtschaftliche Ressourcen wahr, was wiederum mit höheren Spenden relativ zum Haushaltseinkommen zusammenhing.
Die Mediationsanalyse stützt damit die Annahme zweier gegenläufiger Mechanismen, kann für sich allein aber keine Ursache nachweisen. Hinzu kommt, dass die erlebte Abhängigkeit im Langzeitdatensatz nur mit einem einzelnen Fragebogenpunkt erfasst wurde. Die Autoren betrachten diesen Teil deshalb als einen Baustein ihrer aus mehreren Methoden bestehenden Untersuchung.
In einem vorab registrierten Experiment prüfte das Team beide Mechanismen gezielter. Nach den festgelegten Ausschlüssen gingen die Daten von 958 Teilnehmern in die Auswertung ein. Sie erhielten entweder 0,50 oder zwei US-Dollar und konnten einen Teil davon mit einem Partner teilen, der selbst kein Geld bekommen hatte. Zugleich veränderten die Forscher, wie stark die Teilnehmer für ihr eigenes Ergebnis von diesem Par